Berufsverband der Pastoralreferenten/-innen im Bistum Münster

 

Wann wird geistliche Begleitung zu einem Machtinstrument, das Menschen nicht in Freiheit, sondern in Abhängigkeit führt.
Dieser Frage ging Stephanie Butenkemper in einem Studientag im Gottfried-Könzgen-Haus in Haltern am See nach.

 

 

Stephanie Butenkemper arbeitet zur Zeit in der Ehe- Familien und Lebensberatungsstelle in Köln, hat sich aber sehr intensiv mit dem Thema „Geistlicher Missbrauch in christlichen Gemeinschaften“ auseinandergesetzt.
Als Betroffene hat sie andere Betroffene interviewt und über das Thema „Missbrauch in geistliche Gemeinschaften“ ihre Masterarbeit geschrieben.
Mit diesen Studientag setzt der Berufsverband seine Reihe der Studientage fort, mit denen er aktuelle Themen auch für Nichtmitglieder anspricht.
„Was ist Geistlicher Missbrauch und warum steigen Menschen nicht einfach daraus aus?“ fragten sich die Teilnehmenden verwundert.
Stephanie Butenkemper gibt zu Antwort, Betroffene sind nicht psychisch krank, sie sind nicht selber schuld, sondern es kann jeden treffen.
In einem System, das subtil sich selber als gottnah darstellt, von sich behauptet, allein die wahre Lehre zu leben, das jede kritische Hinterfragung, jeden Zweifel als Sünde deklariert, in dem „auf Distanz gehen“ mit sozialer Isolation verbunden ist, weil alle sozialen Kontakte vornehmlich in dieser Gruppe stattfanden, entstehen so starke Bindungen, die es schwer machen auszusteigen. Am Anfang empfinden neue Mitglieder ja auch ein tiefes Gefühl der Gemeinschaft, der Zuwendung. Hier wird ihnen die Sinnfrage beantwortet, hier finden sie Orientierung. Zunehmend wird es in der Gemeinschaft aber immer enger, bis nur noch das akzeptiert wird, was in der Gemeinschaft gilt.
Menschen steigen aus diesem System erst aus, wenn sie körperlich und psychisch zusammenbrechen, wenn sie sich bereit sind äußere Einflüssen anzunehmen und diese nicht abblocken oder wenn sie erkennen, wie unbarmherzig der Umgang in der Gemeinschaft mit Mitgliedern ist.
Das geistlicher Missbrauch ist die Vereinnahmung und Manipulation einer Person in eine Abhängigkeit, die es dem Täter möglich macht, eine größtmögliche Kontrolle über das Opfer zu erlangen.
Im extremsten Falle geht das bis in die Einmischung in die berufliche Karriere und in die Familienplanung.
Butenkemper berichtete, an einem Samstagmorgen vom Leiter Ihrer Gemeinschaft angerufen worden zu sein, der sie aufforderte am selben Tag zu einer Aktion nach Süddeutschland zu fahren. Sie hat sich widerspruchslos auf den Weg gemacht.
Die Bistümer reagieren darauf unterschiedlich. „Am weitesten ist sicher das Bistum Osnabrück“, sagt Butenkemper mit dem Blick auf die "Christusgemeinschaft". Das Erzbistum München/Freising löste 2021 die „Integrierte Gemeinde“ auf. Aber auch das Bistum Münster hat die Gemeinschaft "Totus Tuus" aufgelöst.
Butenkemper betonte, dass nicht jede geistliche Gemeinschaft missbräuchlich wirkt, aber sie besonders gefährdet sind, Mitglieder in Abhängigkeiten zu halten.

 

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